Akute Krise
Für Momente, in denen Sicherheit, Überleben und sofortige körperliche Stabilisierung vor jedem Verstehen oder Lösen stehen.
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Worum es geht
DBT versteht akute Krisen als Zustände, in denen Sicherheit und Überleben die erste Aufgabe sind, weil der präfrontale Kortex weitgehend nicht mehr verfügbar ist und das emotionale Gehirn die Kontrolle übernimmt. Genau das unterscheidet die Krise von hoher Anspannung: In der Krise fühlen sich selbst vertraute Fertigkeiten oft unerreichbar an, während bei hoher Anspannung meist noch ein Restzugang zu Steuerung und Anweisung besteht.
Die relevanten Fertigkeitskategorien sind Krisenüberlebensfertigkeiten wie TIP, Ablenken, ACCEPTS und sofortige Selbstberuhigung, nicht Reflexions-, Analyse- oder Planungsfertigkeiten. Der häufigste Fehler besteht darin, zu früh verstehen, klären oder problemlösen zu wollen, obwohl das Nervensystem dafür noch zu dysreguliert ist. Ein zweiter verbreiteter Fehler ist die Erwartung einer schnellen Auflösung; Krisen haben oft eine längere Abklingphase als ihre Spitze.
Körperbasierte Fertigkeiten wie Temperatur, Atmung und Bewegung bleiben auch dann zugänglich, wenn kognitive Ressourcen fast vollständig weggebrochen sind.
Was im Körper passiert
Körperliche Reaktionen, typische Impulse im Ausnahmezustand und Eskalationsverlauf als Orientierung für erste stabilisierende Schritte.
- Körper im AusnahmezustandStarkes Herzrasen, Atemenge, Taubheit oder Dissoziation, Kribbeln in den Gliedmaßen, Zittern oder Erstarren, Paniknähe im Körper
- Typische ImpulseSofort handeln oder weglaufen, Kontrolle übernehmen oder vollständig aufgeben, jemanden anrufen oder sich komplett isolieren, Schaden verhindern wollen
- EskalationsverlaufKrise eskaliert meist sehr schnell. Kognitive Ressourcen brechen weitgehend weg, Sicherheit geht vor. Erst körperliche Regulierung, dann alles andere. Abklingen dauert oft länger als die Spitze.
Erster Einstieg (2)
Der direkteste erste Schritt für diese Situation.
STOP-Fertigkeit
Wenn vor jeder weiteren Analyse, Kommunikation oder Regulation zuerst das reflexhafte Weiterreagieren gestoppt werden muss.
Auch in: Emotionsregulation · Zwischenmenschliche Fertigkeiten
TIP-Skills
Wenn nicht primär Verstehen oder Reden, sondern zuerst eine schnelle körpernahe Krisenregulation gebraucht wird.
Auch in: Emotionsregulation
Orientierung (4)
Hilft, die Situation einzuordnen und einen Überblick zu bekommen.
Ist hier eher Selbstberuhigung oder den Moment verbessern gemeint?
Wenn sensorisch-körperliche Beruhigung und breitere IMPROVE-Strategien leicht ineinander verschwimmen.
Auch in: Stresstoleranz
Was hilft sofort und was langfristig?
Wenn unterschieden werden muss, ob ein Skill jetzt tragen soll oder erst über wiederholte Praxis langfristig Wirkung entfaltet.
Auch in: Stresstoleranz · Emotionsregulation
Welcher Skill hilft mir zuerst?
Wenn vor der konkreten Skillwahl zuerst Orientierung über die passende Grundrichtung gebraucht wird.
Auch in: Stresstoleranz · Emotionsregulation · Zwischenmenschliche Fertigkeiten
Weiser Verstand
Wenn vor dem nächsten Schritt zuerst eine innere Ausrichtung gebraucht wird, die sowohl Gefühl als auch Verstand ernst nimmt.
Auch in: Stresstoleranz · Emotionsregulation · Zwischenmenschliche Fertigkeiten
Anwenden (7)
Konkrete Übungen und Skills für die Situation.
STOP: Achtsam weitergehen
Wenn nach Stoppen und Abstand nicht mehr bloße Hemmung, sondern ein überlegtes Weiterhandeln nötig ist.
Auch in: Emotionsregulation · Achtsamkeit
Physiologische Coping-Skills
Wenn der Körper zuerst herunterreguliert werden muss, bevor andere Skills überhaupt wieder erreichbar werden.
Auch in: Emotionsregulation
STOP: Einen Schritt zurücktreten
Wenn nicht sofortes Eingreifen, sondern erst ein kleiner Distanzgewinn nötig ist, um nicht reflexhaft weiterzuhandeln.
TIP: Gezielte Atmung
Wenn innerhalb akuter Anspannung eine unmittelbar verfügbare, körpernahe und diskret einsetzbare Regulierung gebraucht wird.
Auch in: Emotionsregulation
TIP: Gezielte Muskelentspannung
Wenn körperliche Alarmbereitschaft über Muskel- und Spannungsniveau gezielt reguliert werden soll.
Auch in: Emotionsregulation
TIP: Intensive Bewegung
Wenn Hochspannung nicht nur beruhigt, sondern zuerst körperlich abgebaut werden sollte, damit andere Skills danach greifen.
Auch in: Emotionsregulation
TIP: Temperatur
Wenn innerhalb der TIP-Skills besonders schnell über den Körper und nicht über Sprache oder Kognition reguliert werden muss.
Auch in: Emotionsregulation
Stabilisieren (9)
Unterstützt Beruhigung und Regulation in der Situation.
STOP: Stopp
Wenn noch kein differenziertes Weiterdenken möglich ist und zuerst nur das blinde Weitermachen gestoppt werden muss.
Auch in: Emotionsregulation
REST-Strategie
Wenn kein vollständiger Rückzug nötig ist, aber eine bewusste Unterbrechung gebraucht wird, bevor weitere Skills oder Entscheidungen tragen.
Auch in: Achtsamkeit · Emotionsregulation
Den Moment verbessern
Wenn die sekundäre Überforderung des Moments gesenkt werden soll, damit Durchhalten, Denken und spätere Skill-Nutzung wieder möglich werden.
Auch in: Achtsamkeit · Emotionsregulation
STOP: Beobachten
Wenn zwischen Stoppen und Weitergehen erst ein kurzer Beobachtungsschritt gebraucht wird, um die Lage neu zu erfassen.
Auch in: Emotionsregulation · Achtsamkeit
Dialektische Abstinenz
Wenn bei Abstinenz- oder Veränderungszielen zugleich klare Entschlossenheit und flexible Rückkehr in den Kurs gebraucht werden.
Auch in: Emotionsregulation
Gemeinschaftsverstärkung
Wenn nachhaltige Veränderung daran hängt, dass das Umfeld Verhalten mitträgt statt es laufend zu unterlaufen.
Auch in: Zwischenmenschliche Fertigkeiten · Emotionsregulation
Reizkontrollierte Entspannung
Wenn nicht nur allgemeine Entspannung, sondern ein möglichst schneller, trainierter Zugang zu Beruhigung in Belastungssituationen gebraucht wird.
Auch in: Emotionsregulation
Selbstberuhigung
Wenn vor Problemlösung, Emotionsregulation oder Interpersonal Skills zuerst Beruhigung, Körperregulation oder eine nicht-strafende Form der Selbstzuwendung gebraucht wird.
Auch in: Achtsamkeit · Emotionsregulation
Sicherer-Ort-Visualisierung
Wenn in Belastung oder Angst ein schnell zugängliches inneres Gegenbild zu Bedrohung und Überforderung aufgebaut werden soll.
Auch in: Emotionsregulation